Dienstag, 10. November 2009

...Jungle all the way...






Hallo Ihr!

Hier nun mein Bericht von der Tour zum Pongo! Also zunächst bin ich in strömendem Regen von Cusco nach Ollantaytambo gefahren, wo mich ein Mann am Plaza de Armas ansprach, er hätte ein billiges Hostal für 15 soles. Ich bin dann mit ihm zu einem Hostal gegangen und es stellte sich heraus, dass er der Onkel der Besitzerin war. Diese beschwerte sich als wir eintraten bitterlich, dass die letzten 2 Touristen die er angeschleppt hatte übelste Ansprüche hätten. “Die wollen Wasser, und dann auch noch warm und möglichst Bad auf dem Zimmer für 15 SOLES!!!! Die spinnen ja wohl!” Ich habe dann beschlossen, meinen geheimen Wunsch nach einer warmen Dusche am Morgen auch weiterhin geheim zu halten und habe brav mein Zimmer bezogen. Der “nette Onkel ;-)” hat mich dann noch in sein Restaurant gelockt unter wilden Versprechungen was er mir alles kochen werde. Hat er auch (mmmh!). Ich habe mir dann abends noch die Stadt angeschaut und bin am nächsten Morgen um 8 Uhr zu den Ruinen raufgegangen. Ich war eine der ersten Besucher und so konnte ich überall hin, da noch nichts abgesperrt war. Das war sehr interessant und ich habe dann noch eine kleine Wanderung auf einen Berg gemacht und mich dann noch eine Stunde dort zu einer Inka-Sonnenuhr gesetzt. Das war superschön keine Touristen, Sonne und nur ein paar Vögel.

Mittags habe ich mich dann mit Tim getroffen, der aus Aguas Calientes kam und wir sind dann zusammen nach Quillabamba gefahren, wo uns Matthias schon erwartet hat. Quillabamba ist eine sehr schöne kleine Stadt mit ca. 25.000 Einwohnern und es ist dort immer Sommer. Wir haben dann zusammen ein Hostelzimmer bewohnt was ganz lustig war. Am nächten Tag sind wir dann mit dem Bus nach Kiteni gefahren, was noch viel lustiger wurde. Es war natürlich ein Bus mit dem auch die Landbevölkerung fährt. Nach einer Weile stoppte der Bus dann abrupt und ein Mann rief etwas, so dass einige Männer des Busses rausrannten und sich Steine schnappten. Es war wohl eine riesige Schlange, über die der Busfahrer nicht fahren wollte. Einige Zeit später stoppten wir dann wieder plötzlich. Diesmal war ein riesiger Baum auf die Strasse gefallen und so mussten erst einige Männer in ein etwas entferntes Dorf laufen und dort Motorsägen besorgen. Wir hatten also etwas Wartezeit und so unterhielt man sich dann mit seinen umliegenden Sitznachbarn. Zwei Kinder hatten schon eine ganze Weile mit etwas gespielt was ich nicht erkennen konnte und es stellte sich heraus, dass es ein totes Meerschweinchen war. Ein lebendes hatten sie noch in einer Tasche. Hinter uns sass noch jemand mit ca. 20 Küken, die hektisch fiepten und vorne an der Tür sass eine alte Frau mit 1000 Röcken wie die Frauen auf dem Land sie hier tragen. Diese Frau musste nun also wohl irgendwann auf´s Klo und da sie nicht aus dem stehenden Bus aussteigen wollte hat sie dann kurzerhand in eine Kanne gepinkelt, die sie dann mit Schwung aus der Bustür ausleerte. Gott sei Dank ging grad niemand vorbei. Nach einer Weile ging es dann weiter und wir kamen abends in Kiteni an, wo wir auch recht schnell ein billiges Hostel fanden. Das Bett war allerdings etwas gewöhnungsbedürftig und so war ich froh, dass ich meinen Schlafsack mit hatte. Morgens sind wir dann von den ganzen Arbeitern die im Hostel wohnten, durch die unglaublichsten Geräusche geweckt worden. Also schnell den nächsten Bus und weiter nach Ivochote. Dort haben wir dann uns dann noch das Dorf angesehen, welches sehr klein ist und eben das letzte Dorf vorm Wald ;-) Es ist sehr ruhig dort und wir haben uns noch eine Weile an den Fluss gesetzt und mit einem Guide vereinbart, dass er mit uns für 500 soles in einem Boot in den Jungle zum Pongo de Mainique fährt und wir dort übernachten und am nächsten morgen zurückfahren. Die Fahrt am nächsten morgen war wirklich toll. Am Pongo ragen riesige Klippen hunderte von Metern in die Hóhe und es gibt eine Vielzahl von Wasserfällen. Die Geräusche der Vögel sind echt abgefahren und da dort der Anfang der Bajaselva ist wird der Wald dort immer dichter. Kurze Zeit hinter den Wasserfällen haben wir dann angehalten und unser Guide hat uns einen Mann vorgestellt, der dort mitten im Gestrüpp neben einer kleinen Station wo sie Gas suchen wohnt. Der Mann war extrem freundlich und hat uns gleich seinen Topf zum kochen geliehen und angeboten, dass Matthias und die Guides bei ihm unter dem Dach schlafen können. Tim und ich hatten uns mein kleines Zelt aufgebaut. Es fing dann so arg an zu Regnen, dass wir uns schon fragten ob es nach Forrest Gumpscher Manier nun Monate durchregnen würde. Hat es aber nicht und so haben wir den Mann dazu bekommen, dass er uns eine Tour durch den Urwald gibt. Wir sind dann ca.2 ½ Stunden durch den Urwald gelaufen, was sehr interessant war, denn dort haben wir einige Vögel beobachtet, kleine Affen in einem Baum herumspringen sehen, und eine Schildkröte getroffen. Unser Führer hat sich dann noch kurzzeitig verlaufen, aber bald seinen Weg wieder gefunden. Danach hat es wieder ziemlich geregnet, was uns aber nicht weiter gestört hat, denn wir haben erstmal lecker gekocht und gegessen, immer begleitet von den Hühnern, die bei dem Mann leben. Am nächsten Morgen sind wir dann recht früh losgefahren um den Bus um 10.30 von Ivochote nach Quillabamba zu nehmen. Was wir nicht wissen konnten war, dass der riesige Reisebus erst 6 Passagiere hatte und daher die zuständige Frau beschlossen hatte zu warten bis mehr Passagiere kommen würden. Da wir aber fast die einzigen Touristen in dem Ort waren, standen die Chancen extrem schlecht. Um ca. 12 Uhr haben wir dann noch einmal gefragt wann wir denn nun fahren und dann sagte und ein Mann der Bus fährt “ahorita”(jetzt) auf die Frage was das zeitlich genau bedeutet meinte er dann “hoy dia” (heute). Das ging uns dann doch zu langsam und als ein Kollektivo ankam und ankündigte um 1 Uhr zu fahren haben wir dann mit der Frau gekämpft, dass sie uns die Tickets wieder umtauscht. Das war schon ein kleines Drama, da sie sich zunächst weigerte, aber letztlich doch aufgab. Um ca. halb 2 sind wir dann losgefahren und nach langer Reise am übernächsten Tag in Cusco angekommen. Bald geht es aber auch schon zu den Qéros und ich freue mich schon riesig drauf.

Ich stelle nachher noch einige Photos ein.

Bis bald

Isa

Sonntag, 8. November 2009

Nachtrag Paucartambo



Ich war an einem der letzten Wochenenden mit Tim (einem meiner Mitbewohner) und Maritza (meiner Quechualehrerin) in Paucartambo. Das ist ein Dorf ziemlich auf dem Land und dort wohnen ihre Eltern. Die Fahrt dorthin begann etwas hektisch, denn ich hatte mir den Zeitpunkt irgendwie falsch gemerkt. Es war aber im Nachhinein kein Problem, da die Busse hier immer etwas später fahren als angekündigt. Und so standen wir dann auch wegen Strassenarbeiten ca. 1 Stunde später für 1 1/2 Stunden in der Gegend herum. Die Fahrt war lang und rumpelig und ich war froh, dass es recht bald dunkel wurde damit ich den Abgrund neben mir nicht die ganze Zeit sehen musste. Der Busfahrer hat offenbar keine Hemmungen genau auf der Kante zu fahren. (Hatte ich erwähnt, dass SU eigentlich gar nicht so schlimm fährt!?)
In Paucartambo angekommen sah es da aus wie Dresden '45, denn alle Strassen des Dorfes waren aufgerissen und der Schutt türmte sich an den Hauswänden. Es werden neue Wasserleitungen verlegt. Maritza hat davon erstmal 1000 Fotos gemacht, wie sie auch sonst alles geknipst hat was sich nicht gewehrt hat. Wir haben dann bei Maritzas Eltern, die sehr freundlich waren, übernachtet.
Wir haben dann 2 Comunidades besucht. Bei der ersten waren aber fast alle ausgeflogen, da sich die Männer zu einer Versammlung getroffen haben um sich Gedanken um Wasserbeschaffung zu machen. Es hat dort seit Ewigkeiten nicht geregnet und die Tiere sind ganz dürr und die Felder sehen nicht so aus als würden sie allzubald viel abwerfen. Die Frauen waren unterwegs um mit dem Staat wegen der Hilfsgüter zu verhandeln. Die Dörfer kriegen einmal im Monat etwas Essen gespendet. Bei der 2. Comunidad (also die Felder direkt angrenzend) haben wir dann einige Frauen getroffen die zusammen in so etwas wie einem Gewächshaus Tomaten u.ä. angeplanzt haben. Sie bekommen auch einige Pflanzen vom Staat gespondert. (80 Familien ca. 15 Tomatenpflanzen) Wir haben dann geholfen beim Einpflanzen und wurden dann zum Essen eingeladen.
Wie dem auch sei, Tim und ich haben dann angefragt ob es möglich waere eine Woche dort zu wohnen und quasi mitzulaufen. Sie haben das dem Dorf vorgetragen und wir haben Sonntag die Genehmigung gekriegt. Sie waren am Samstag sehr begeistert von unseren Fotokameras und
wir mussten 100 Bilder von ihnen und den Tomaten machen :-) Filmen scheint ihnen allerdings sehr unnatürlich und etwas seltsam. Ich hoffe wenn ich da bin, kann ich sie nach ein paar Tagen davon überzeugen dass das schon ok geht. Sie sind grundsätzlich sehr nett, aber auch in Sachen Technik etwas misstrauisch. Hoffe das durch persönlichen Kontakt zu beheben.
Tim und ich werden also ab dem 20. Nov. dort im Zelt auf dem Gelände wohnen und die Woche mit denen verbringen.
Die 2. gute Nachricht ist, dass wir einen Typen (Victor) kennengelernt haben, der uns zu den Qéros führen kann und dort einige Leute kennt. Wir fahren also am 14 Nov. zu den Qéros! Die
Reise ist wohl nicht ganz so einfach, wir werden einiges mit dem Motorad fahren müssen, dann auf dem Pferd weiter und danach zu Fuss. Es gibt halt keine Strasse. Die Qéros die er kennt wohnen ungefähr auf 4000+ Metern und es wird vermutlich knackig kalt werden. Es ist wohl sehr schwierig ohne einen Guide dorthin zu kommen, da man als Fremder dort nicht einfach aufgenommen wird. Victor nimmt sich also Urlaub um 4 Tage mit uns dorthin zu fahren.
1 Tag hin, 2 Tage dort, 1 Tag zurück. Wir hoffen dort entsprechende Kontakte machen zu koennen um vielleicht auch dort nocheinmal für länger hinzukommen. Ich hoffe bloss, dass ich wenigstens in einer Comunidad ausreichend Material sammeln darf. Insgesamt ist dass eine gute Kombination mit Tim, denn sie sind sehr beeindruckt wenn sie hören, dass er Paco ist und er sein Equipment vorzeigen kann. Sie waren sogar so beeindruckt, dass sie von ihm wissen wollten, ob es bald Regen geben wird, oder der Junge, der uns begleitet hat in der Universität aufgenommen wird, oder ob der Sohn einer Frau Erfolg haben wird bei der Goldsuche.
Sehr witzig sind auch die Essensgewohnheiten in Paucartambo. Maritza hatte uns vorher erklärt, dass man auf dem Land auf keinen Fall Essen ablehnt und immer seinen Teller leer ist. (Oliiiii!!!) So weit zu den Regeln. Witzig wurde es aber als Maritza glaubt ihren Eltern nicht erklären zu können, dass Tim Vegetarier ist. Als es am ersten Tag eine Suppe mit Fleisch gab und Ms Mutter im Raum war hat Maritza ihm also einen Teller voll Suppe hingestellt und sobald ihre Mutter aus dem Zimmer war die Suppe in den Topf zurückgekippt. Er hätte also in einer Minute gegessen haben sollen. Wir haben da schon sehr verdutzt dreingeschaut. Besser wurde es noch als es am nächsten Tag Frühstück gab. Die Eltern hatten ein Schwein geschlachtet und gebraten. Diese lag nun zwar ohne Kopf, aber sonst ziemlich komplett auf einem Blech und sollte zusammen mit Kartoffeln morgens verspeist werden. Als Tim nun seine Portion bekommen sollte hat Maritza dann ihren Eltern erklärt, dass er davon krank würde, Koliken bekomme und sterben könne. "Wow!" war die Antwort des Vaters und die Mutter war sehr besorgt was er denn essen könne und wie er sonst überlebe. Ihr könnt euch sicher vorstellen wie energisch ich an meinem Schwein geknabbert habe um nicht loszubrüllen.
Bald kommt noch mein Bericht von einer Tour in den Urwald.
LG
Isa