
Ich war an einem der letzten Wochenenden mit Tim (einem meiner Mitbewohner) und Maritza (meiner Quechualehrerin) in Paucartambo. Das ist ein Dorf ziemlich auf dem Land und dort wohnen ihre Eltern. Die Fahrt dorthin begann etwas hektisch, denn ich hatte mir den Zeitpunkt irgendwie falsch gemerkt. Es war aber im Nachhinein kein Problem, da die Busse hier immer etwas später fahren als angekündigt. Und so standen wir dann auch wegen Strassenarbeiten ca. 1 Stunde später für 1 1/2 Stunden in der Gegend herum. Die Fahrt war lang und rumpelig und ich war froh, dass es recht bald dunkel wurde damit ich den Abgrund neben mir nicht die ganze Zeit sehen musste. Der Busfahrer hat offenbar keine Hemmungen genau auf der Kante zu fahren. (Hatte ich erwähnt, dass SU eigentlich gar nicht so schlimm fährt!?)
In Paucartambo angekommen sah es da aus wie Dresden '45, denn alle Strassen des Dorfes waren aufgerissen und der Schutt türmte sich an den Hauswänden. Es werden neue Wasserleitungen verlegt. Maritza hat davon erstmal 1000 Fotos gemacht, wie sie auch sonst alles geknipst hat was sich nicht gewehrt hat. Wir haben dann bei Maritzas Eltern, die sehr freundlich waren, übernachtet.
Wir haben dann 2 Comunidades besucht. Bei der ersten waren aber fast alle ausgeflogen, da sich die Männer zu einer Versammlung getroffen haben um sich Gedanken um Wasserbeschaffung zu machen. Es hat dort seit Ewigkeiten nicht geregnet und die Tiere sind ganz dürr und die Felder sehen nicht so aus als würden sie allzubald viel abwerfen. Die Frauen waren unterwegs um mit dem Staat wegen der Hilfsgüter zu verhandeln. Die Dörfer kriegen einmal im Monat etwas Essen gespendet. Bei der 2. Comunidad (also die Felder direkt angrenzend) haben wir dann einige Frauen getroffen die zusammen in so etwas wie einem Gewächshaus Tomaten u.ä. angeplanzt haben. Sie bekommen auch einige Pflanzen vom Staat gespondert. (80 Familien ca. 15 Tomatenpflanzen) Wir haben dann geholfen beim Einpflanzen und wurden dann zum Essen eingeladen.
Wie dem auch sei, Tim und ich haben dann angefragt ob es möglich waere eine Woche dort zu wohnen und quasi mitzulaufen. Sie haben das dem Dorf vorgetragen und wir haben Sonntag die Genehmigung gekriegt. Sie waren am Samstag sehr begeistert von unseren Fotokameras und
wir mussten 100 Bilder von ihnen und den Tomaten machen :-) Filmen scheint ihnen allerdings sehr unnatürlich und etwas seltsam. Ich hoffe wenn ich da bin, kann ich sie nach ein paar Tagen davon überzeugen dass das schon ok geht. Sie sind grundsätzlich sehr nett, aber auch in Sachen Technik etwas misstrauisch. Hoffe das durch persönlichen Kontakt zu beheben.
Tim und ich werden also ab dem 20. Nov. dort im Zelt auf dem Gelände wohnen und die Woche mit denen verbringen.
Die 2. gute Nachricht ist, dass wir einen Typen (Victor) kennengelernt haben, der uns zu den Qéros führen kann und dort einige Leute kennt. Wir fahren also am 14 Nov. zu den Qéros! Die
Reise ist wohl nicht ganz so einfach, wir werden einiges mit dem Motorad fahren müssen, dann auf dem Pferd weiter und danach zu Fuss. Es gibt halt keine Strasse. Die Qéros die er kennt wohnen ungefähr auf 4000+ Metern und es wird vermutlich knackig kalt werden. Es ist wohl sehr schwierig ohne einen Guide dorthin zu kommen, da man als Fremder dort nicht einfach aufgenommen wird. Victor nimmt sich also Urlaub um 4 Tage mit uns dorthin zu fahren.
1 Tag hin, 2 Tage dort, 1 Tag zurück. Wir hoffen dort entsprechende Kontakte machen zu koennen um vielleicht auch dort nocheinmal für länger hinzukommen. Ich hoffe bloss, dass ich wenigstens in einer Comunidad ausreichend Material sammeln darf. Insgesamt ist dass eine gute Kombination mit Tim, denn sie sind sehr beeindruckt wenn sie hören, dass er Paco ist und er sein Equipment vorzeigen kann. Sie waren sogar so beeindruckt, dass sie von ihm wissen wollten, ob es bald Regen geben wird, oder der Junge, der uns begleitet hat in der Universität aufgenommen wird, oder ob der Sohn einer Frau Erfolg haben wird bei der Goldsuche.
Sehr witzig sind auch die Essensgewohnheiten in Paucartambo. Maritza hatte uns vorher erklärt, dass man auf dem Land auf keinen Fall Essen ablehnt und immer seinen Teller leer ist. (Oliiiii!!!) So weit zu den Regeln. Witzig wurde es aber als Maritza glaubt ihren Eltern nicht erklären zu können, dass Tim Vegetarier ist. Als es am ersten Tag eine Suppe mit Fleisch gab und Ms Mutter im Raum war hat Maritza ihm also einen Teller voll Suppe hingestellt und sobald ihre Mutter aus dem Zimmer war die Suppe in den Topf zurückgekippt. Er hätte also in einer Minute gegessen haben sollen. Wir haben da schon sehr verdutzt dreingeschaut. Besser wurde es noch als es am nächsten Tag Frühstück gab. Die Eltern hatten ein Schwein geschlachtet und gebraten. Diese lag nun zwar ohne Kopf, aber sonst ziemlich komplett auf einem Blech und sollte zusammen mit Kartoffeln morgens verspeist werden. Als Tim nun seine Portion bekommen sollte hat Maritza dann ihren Eltern erklärt, dass er davon krank würde, Koliken bekomme und sterben könne. "Wow!" war die Antwort des Vaters und die Mutter war sehr besorgt was er denn essen könne und wie er sonst überlebe. Ihr könnt euch sicher vorstellen wie energisch ich an meinem Schwein geknabbert habe um nicht loszubrüllen.
Bald kommt noch mein Bericht von einer Tour in den Urwald.
LG
Isa
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